The Hunchback of Notre Dame (USA, 1996)

31 03 2008

Bei Disney werden die meisten vermutlich an Filme wie Der König der Löwen, Das Dschungelbuch oder Arielle die Meerjungfrau denken. Lustige Kinderfilme für die ganze Familie mit fröhlichen Songs und witzigen Charakteren. Doch ein Film will nicht so Recht in dieses Schema passen, nämlich der hier besprochene Der Glöckner von Notre Dame. Zwar könnte man dieser Meinung sein, wenn man die Trailer und das Cover zu diesem Film sieht, doch Vorsicht, das täuscht! Das könnte man sich zwar denken, wenn man die düstere Romanvorlage von Victor Hugo zu diesem Film kennt, aber von Disney erwartet man sich einfach was anderes.

Es ist die Geschichte des deformierten Quasimodo, der im Glockenturm von Notre Dame sein Dasein fristet, abgeschottet von der Welt da draußen und dessen einziger Kontakt zu jener Welt sein Ziehvater Richter Frollo ist. Und die Geschichte der wunderhübschen Zigeunerfrau Esmeralda, deren Volk von Frollo verfolgt und gepeinigt wird, wie es nur geht. Dieser hat nichts anderes im Sinn als den geheimen Unterschlupf der Zigeuner zu finden und diese ein für alle mal auszurotten und Recht und Ordnung wieder herzustellen, bis… ja bis ihm eben jene Esmeralda den Kopf verdreht und ihn die Wollust nach dieser Schönheit gar wahnsinnig macht. Um sie zu bekommen, ist er bereit über Leichen zu gehen, und wenn nicht er sie bekommen soll, dann soll sie niemand haben…

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Sex, Wollust, Gewalt, Religion, Behinderung und Völkermord, ganz schön heftige Themen für einen Zeichentrickfilm von Disney. Und das auch noch alles in einem einzigen Film, wer hätte das Gedacht. Dementsprechend düster, gewaltsam und anzügig sind einige Szenen, so dass hier eigentlich kaum von einem Kinderfilm die Rede sein kann, und auch meiner Meinung nach definitiv nicht in die Hände dieser gehört. Umso verwunderlicher ist es da, dass Disney unbedingt wieder “niedliche” Charaktere eingebaut hat, die für Witz sorgen sollen - in diesem Fall drei sprechende (aber in Quasimodos Gegenwart, sie sind also eher als Fantasie Quasimodos zu sehen) Wasserspeier sowie die Ziege von Esmeralda. Sicher, diese sorgen etwas für Auflockerung, passen aber nun wirklich nicht rein, zumal deren Song (”A Guy Like You”) auch noch zu den schwächsten im Film gehört.

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Apropos Songs, The Hunchback of Notre Dame ist noch ein typisches animiertes Musical, in dem fast schon mehr gesungen als gesprochen wird. Während die Musik den ganzen Film durch absolut überragend ist und ein weiteres Meisterwerk von Alan Menken darstellt, sind die Songs selbst von schwankender Qualität. Das liegt teilweise an den Sängern (z.B. Quasimodo selbst in “Out there”) und teilweise an eher unmelodischen Stücken. Auf der anderen Seite begeistern dann wieder Songs wie “God help the outcast” und “Hellfire” die u.a. auch mit lateinischen Chören unterlegt wurden und Gänsehaut verursachen. Insgesamt überwiegen aber die guten Stücke so dass der Gesamteindruck passt.

Optisch war dieser Film 1996 wegweisend, und auch heute noch gibt es wenig westliche Konkurrenz die sich mit diesem Film in Sachen Detailverliebtheit (gerade Notre Dame ist beeindruckend), Lichteffekten und cineastischer Darstellung mit dem Film anlegen können. Die Lichteffekte und die Darstellung von Feuer sind auch jetzt noch sehr beeindruckend für einen traditionellen Zeichentrickfilm. Vollster Respekt für diese Leistung!

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The Hunchback of Notre Dame ist also ein untypischer, aber doch typisch gut gelungener Disney-Streifen den ich unbedingt jedem Zeichentrick-Fan ans Herz legen möchte - zumindest denen, die sich nicht an den vielen Songs stören. Zwar gibt es ein paar kleine Kritikpunkte (teils schwache Songs, unpassende Wasserspeier) und auch das Bild meiner kanadischen DVD könnte besser sein (Kann es kaum erwarten mal einen klassischen Disney auf Blu-Ray zu sehen), diese Mängel können dem Gesamtwerk aber kaum Schaden. Zudem man hier mit Frollo den überzeugendsten, durchtriebensten Disney-Bösewicht aller Zeiten bekommt… 8/10

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Text Copyright: Axel Kothe

Die Filmbilder wurden vom Autor von der kanadischen DVD-Veröffentlichung des Films zur Verwendung in diesem Beitrag gecaptured. Eine anderweitige Verwendung und/oder Vervielfältigung ist nicht gestattet.

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