Fantasy Filmfest 2007

31 07 2007

Dieses Wochenende war es wieder soweit, der jährliche Kino-Pflichttermin für den videospieler stand wieder an: Das Fantasy Filmfest in Stuttgart. Zwar leider, wie schon im letzten Jahr wegen nicht verschiebbarer Termine wieder nur 2 Tage und damit nur 7 Filme, trotzdem bin ich zufrieden – auch wenn die Filmauswahl heuer nur sehr durchwachsen war und das echte, typische Highlight irgendwie fehlte. Doch nun zu den Filmen:

Donnerstag, 26.07.2007:

Mushishi: Ein japanischer Fantasystreifen über übernatürlich Bugs und die Bugmaster, Menschen, die diese Bugs sehen können und diese studiert haben und dieses Wissen nutzen, um andere von den Bugs zu befreien oder deren Kräfte für ihre Zwecke zu nutzen. Von Akira-Regisseur Otomo. Interessant, seltsam, keine Action und vor allem zu lang und langatmig. Hat seine witzigen, schönen und spanneden Momente, insgesamt hats mich aber nicht überzeugt, schwanke zwischen 4/10 und 5/10. Kann man sich mal auf DVD anschauen.

OSS 117: Cairo, Nest of Spies: Witzige, spritzige und sympathische James Bond Parodie aus Frankreich, die einige Lacher im Publikum hervorbrachte und mir überhaupt gut gefallen hat. Mein Highlight vom Donnerstag, 7/10.

Stuck: Die Weltpremiere in Stuttgart, wobei der Regisseur aus persönlichen Gründen der Einladung leider nicht Folge leisten konnte. Ein Film, der von einer wahren Begebenheit inspiriert wurde: Eine Krankenschwester fährt nach ner Party betrunken nach Hause und erwischt mit ihrem Auto einen die Straße überquerenden Penner – kann ja mal passieren. Doch statt einen Notruf abzusetzen oder den verletzten wenigstens in ein Krankenhaus zu bringen, fährt sie einfach nach Hause und stellt den Wagen in der Garage ab – und das Unfallopfer steckt bei ihr in der Windschutzscheibe… Während dieser also dort so herumhängt, mit dem Scheibenwischer im Bauch, hat die junge Dame im benachbarten Haus Sex, fährt mit dem Taxi zur Arbeit und versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass das Opfer in ihrer Garage bemerkt wird oder davonkommt – welches verständlicherweise von Stunde zu Stunde wütender und verzweifelter wird… Eine makabere Grundgeschichte also, die ein unheimlich spaßiges Filmvergnügen verspricht. Dieses versprechen kann Stuck aber meiner Meinung nach nicht ganz halten, gerade der Anfang ist viel zu zäh, und auch zwischendurch gibt es immer wieder langatmige Szenen denen der Pepp fehlt. Hier blieb trotz der sehr guten Schauspieler einiges an Potential ungenutzt, was bei meiner hohen Erwartungshaltung für ein gewisses Maß an Enttäuschung sorgte. Gute 6/10

Perfect Creature: Der letzte Film vom Donnerstag handelt von einer fiktiven Welt bzw. Zeit, in der Vampire (die Bruderschaft) und Menschen friedlich zusammenleben – bis eine Mutation, eine besonders starke Variante des Vampirs diesen Pakt bricht, und wild blutsaugend durch die Straßen zieht. Auf seinen Fersen sowohl die Polizei der Menschen als auch die Bruderschaft selbst, die den schrecklichen Plan dieses Wesens um jeden Preis verhindern müssen. Wieder so ein Film mit verschenktem Potential. Tolle Atmosphäre, gute Schauspieler, schöne Sets und eine interessante Story, aber leider, leider plätschert das ganze nur so vor sich hin, nirgendwo mal ein kleines Highlight und vor allem viel zu wenig Action. 5/10

Sonntag, 29.07.2007:

Tales from Earthsea: Der erste Film des Tages versprach gleich mal, ein Highlight zu sein. Immerhin handelte es sich hierbei um den neuesten Anime des japanischen Kultstudios Ghibli, die mit Prinzessin Mononoke und vielen weiteren Hits Anime-Geschichte geschrieben hatten. Tales from Earthsea stammt in diesem Fall allerdings nicht von den beiden Ikonen des Studios, Isao Takahata oder Hayao Miyazaki, sondern vom Sohn von Meister Hayao, Goro Miyazaki. Dies ist sein erster Animefilm und basiert auf den Romanen von Ursula K. LeGuin. Der Prinz ermordet den König, obwohl er ihn liebt, und weiß nicht warum. Drachen werden über menschlichem Gebiet gesichtet und bekämpfen sich gegenseitig. Die Magier verlieren ihre magischen Fähigkeiten, und keiner kann es sich erklären. Die Balance von Earthsea ist in Gefahr, doch wer ist Schuld daran, und wie kann das gestoppt werden? Bis all diese Fragen beantwortet und alle Geheimnisse gelüftet sind, vergehen rund 115 kurzweilige Filmminuten, wobei trotz der Länge einige Erklärungen etwas zu kurz kommen und so das Verständnis schwerfällt. Geschichte, Optik und Inszenierung sind gehobene, sicherlich überdurchschnittliche Animekost. Doch kann das Werk mit denen der Altmeister konkurrieren? Fast, aber ganz die Magie seines Vaters bringt Goro mit seinem Erstlingsfilm nicht auf die Kinoleinwand. Da sind manche Lösungen zu einfach, die Ausarbeitung der Geschichte nicht fein genug oder auch die Animationen zu steif. Aber der Vergleich mit Gott (= Hayao Miyazaki) ist ja auch ein sehr unfairer Vergleich und so beschränken wir ihn auf das Animefeld im allgemeinen, und da stellt Tales from Earthsea einen sehr guten Vertreter dar, der sich noch knapp 8/10 Punkten verdient hat – für ein Erstlingswerk immer noch sehr beachtlich, das lässt auf mehr hoffen.
Wolfhound: Nach japanischer Animekunst ging es sofort anschließend in russische Fantasywelten. Wolfhound ist die Geschichte des Rachefeldzuges eines Sklaven, dessen Eltern vor seinen Augen ermordet wurden. Dass Wolfhound dabei praktischerweise noch das Land von einem übermächtigen Tyrannen befreien könnte, ist für ihn dabei Nebensache. Wolfhound war für mich eine sehr positive Überraschung. Der Film ist typische, aber gut gemachte Fantasy die unterhält, ohne zuviel Tiefgang zu bieten. Kein Herr der Ringe, aber durchaus ein gelungener, gut gemachter Action-Fantasy-Film dem man seine Herkunft auf den ersten Blick nicht anmerkt (von der Sprache mal abgesehen…) 7/10

The Girl who leapt through Time: Ein langer Titel für den zweiten Anime des Tages, der mich, soviel sei gleich gesagt, sehr positiv überrascht hat und für mich das Highlight des Filmfestes war. Es geht um ein Schulmädchen, das nach einem Unfall im Chemielabor der Schule plötzlich in der Zeit zurückspringen kann (und springen ist hier wortwörtlich gemeint) und das auch kräftig nutzt. Doch hat das manipulieren der Geschichte, selbst bei Kleinigkeiten und ohne böse Absichten nicht auch möglicherweise sehr unangenehme Folgen? Und ob! Diese extrem witzige Umsetzung des Zeitreisethemas wirkt auf den ersten Blick wie ein der vielen Animeserien die in Japan wie am Fließband produziert werden, auf den zweiten Blick allerdings spürt man wie viel Liebe und Ideen in das Projekt geflossen sind, und das tut dem Film unheimlich gut. Häufige Lacher und Beifall am Ende der Vorstellung zeigen mir, dass es nicht nur ich so empfand. Hoffentlich versauen sie es nicht mit der deutschen Synchronisation, denn diese ist bisher, wenn man vom Trailer der auf dem FFF gezeigt wurde ausgeht, absolut grauenvoll. Wer die Chance hat, den Film im Original mit Untertiteln zu sehen und ein bisschen auf Anime steht, dem Rate ich: Reingehen, sofort! 9/10

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