The Abbey (Alcachofa Soft/Crimson Cow, PC, 2008)

2008 sollte, wenn es nach Publisher Crimson Cow ginge, das Jahr der Comic-Adventures werden. Nicht nur das sehnlich erwartete A Vampyre Story von Ex-Lucas Arts Mitarbeiter Bill Tiller hatten sie im Programm, sondern auch The Abbey wurde mit großen Erwartungen gelauncht. Leider trotz zahlreicher Verspätungen viel zu früh, wie sich schnell rausstellen sollte – doch dazu später mehr.

The Abbey stammt vom spanischen Entwickler Alcachofa Soft und dessen symphatischen Chef, Emilio de Paz, welche den Adventurefans hierzulande vor allem durch das Spiel „Clever & Smart – A Road Adventure“ bekannt sein dürften (in Spanien sind noch zahlreiche weitere Clver & Smart – Spiele im Budget-Segment von ihnen erschienen). Das war zwar nur durchschnittlich, aber durch das intensive Marketing und überraschend positive Previews wurde bezüglich The Abbey eine große Erwartungshaltung aufgebaut, dementsprechend gespannt war ich natürlich, was sich wirklich hinter diesem Hype verbirgt.

Der Packungstext beschreibt die Handlung so: “ Eine alte Abtei wird zum Angelpunkt mysteriöser Verbrechen- einzig ein Mann kann dem Ganzen Einhalt gebieten… Leonardo De Toledo, der ehemalige Berater des Königshofes. Er und sein junger Novize Bruno befinden sich auf dem Weg in die abgelegene Abtei, nicht ahnend, dass sie in die obskuren Verwicklungen um ein lange gehütetes Geheimnis stolpern. Doch bereits ihre Anreise wird von einem Attentat auf ihr Leben überschattet! Nach und nach geraten Leonardo und Bruno in ein Komplott, das nicht nur die Abtei, sondern auch die heilige Kirche in ihren Grundfesten erschüttern könnte…“. Wer jetzt Ähnlichkeiten zu Umnerto Ecos „Im Namen der Rose“ erkennt, liegt wohl nicht so falsch…

Man übernimmt also als Spieler die Rolle von Leonardo, welcher ein paar seltsame Mordfälle, Geistererscheinungen und diverse Geheimnisse erklären muss. Das funktioniert in klassischer 3rd-Person-Adventure-Manier, auch bei den Rätseln überwiegen recht deutlich die beliebten Inventarrätsel. Diese sind weitegehnd logisch, aber manchmal etwas arg weit hergeholt (ich sage hier nur das Stichwort: Wasser aus dem Brunnen holen), hier wäre etwas weniger mehr gewesen. Spielerische Neuigkeiten oder gar Innovationen braucht ihr hier also nicht zu suchen… Inhaltlich bleibt der Krimi trotz der Comicoptik unerwartet ernst, ein lustiges Spiel ist es nicht. So gibt es lange Gespräche über ernste Themen des Lebens, wie man es sich von Mönchen durchaus erwarten würde. Auch der Umgang Leonardos mit seinem Novizen Bruno ist ausnehmend schroff was zu seinem restlichen Verhalten den anderen Charakteren im Spiel gegenüber nicht so recht passen will und die Identifikation mit dem Charakter erschwert.

Grafisch macht das Spiel insgesamt eine ordentliche Figur. Eher durchschnittlich sind die relativ detailarmen Comichintergründe, gerade in den Außenarealen des Spiels. Hier haben andere Comicadventure deutlich mehr zu bieten. Im Gegenzug bietet The Abbey eine recht große Anzahl an Kamerawinkeln und Nahaufnahmen, z.B. bei Gesprächen. Dann sieht man auch die Mimik der Charaktere, die so wie die gesamte Darstellung der Figuren das optische Highlight des Spiels darstellen. Die 3D-Modelle wurde mit einem sehr passenden Cel-Shader in die Szenerien eingepasst und bewegen sich geschmeidig animiert über den Bildschirm.

Ebenso nicht zu verstecken braucht sich die Sounduntermalung von The Abbey. Emilio De Paz selbst komponierte den 70-minütigen orchestralen Soundtrack, welcher vom Prager Symphonieorchester eingespielt wurde und die Handlung des Spiels perfekt untermalt. Doch nicht nur die Musik, sondern auch die deutschen Sprecher verrichten ihre Arbeit mit den sehr gute geschrieben deutschen Texten mit Bravour, vor allem der Sprecher von Leonardo selbst.

Während das Spiel also technisch durchaus überzeugen kann, und im Vergleich zu Clever & Smart eine klare Verbesserung darstellt, konnte mich das Gesamtpaket dann doch nicht so sehr begeistern. Das liegt unter anderem an den etwas langwierigen Dialogen (die, wie schon erwähnt zwar gut geschrieben sind, aber das Tempo des Spiels arg drosseln) und den weit hergeholten Rätsellösungen die manchmal schon sehr frustrierend sind. Dazu kommen kleinere Nervereien wie blöde Standardkommentare und das unhandliche Inventar, die dem Spielspaß einen weiteren Dämpfer verpassen. Hier hätte eventuell auch noch etwas Feinschliff dem Spiel gut getan, aber offensichtlich musste das Spiel (nach bereits zahlreichen Verzögerungen) so schnell wie möglich auf den Markt geworfen werden. Denn anders sind auch kaum die extrem vielen und schwerwiegenden Bugs der Erstveröffentlichung zu erklären, die nur einen winzig kleinen Bruchteil der Käufer überhaupt erlaubte, das Spiel zu ende zu spielen. Bei den meisten war nach dem ersten Akt ohne Patch nichts mehr zu machen (und unter Vista ließ sich das Spiel oft gar nicht installieren). Zwar gab es einen Patch, der die gröbsten Fehler bereinigt und ein Spielen Möglich macht, sowie ein Austauschprogramm für die fehlerhafte Edition, doch zu diesem Zeitpunkt war das Kind bereits in den Brunnen gefallen und der Ruf des Spiels (und des Publishers) im Eimer. Eigentlich schade, denn einen Blick ist das Spiel trotz seiner Mängel IMO durchaus wert – 6/10.

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The Abbey PC

Text Copyright: Axel Kothe / dervideospieler.de

Bilder Copyright: Crimson Cow/Alcachofa Soft

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